Von der Geduld und dem richtigen Moment
Die Saison hat begonnen. Zwei Spiele sind gespielt, die Erkenntnisse mehren sich – sportlich wie personell. Es ist offensichtlich: Noch ist das Kader des FC Wil 1900 nicht vollzählig. Es wird sich noch etwas tun auf dem Transfermarkt. Und das ist gut so.
Doch Transfers sind keine einfache Gleichung. Es geht nicht nur um Fähigkeiten auf dem Platz, sondern auch um Charakter, Teamfit und Timing. In der Vorbereitung waren viele Testspieler im Bergholz zu Gast. Einige davon hätten sportlich durchaus überzeugt, vielleicht zu 90 Prozent. Aber eben nicht ganz. Manchmal war es ein Bauchgefühl, manchmal ein Eindruck aus der Kabine – und manchmal auch ein ehrliches Feedback aus der Mannschaft: «Mit dem kann ich mir den Alltag nicht vorstellen.»
Solche Rückmeldungen sind wertvoll – und zeigen, wie sehr das Binnenklima dieser jungen Mannschaft zählt. Gleichzeitig erhöht das natürlich den Druck, die Geduld, das Abwarten. Gesucht wird weiterhin ein Sechser. Gesucht wird jemand für den Sturm. Denkbar ist auch ein Innenverteidiger, um David Jacovic nach vorne zu ziehen. Die Optionen sind vielfältig – die Ressourcen hingegen begrenzt.
Und so steht Sportchef Michael Lang in diesen Tagen besonders im Fokus. Für ihn ist diese Phase Neuland. Zum ersten Mal erlebt er die Transferperiode auf der anderen Seite – nicht als Spieler, sondern als Entscheidungsträger. Und das ist nicht nur spannend, sondern auch herausfordernd.
Denn der Markt wird sich erst noch bewegen. In der Super League fallen Entscheidungen. Spieler merken: Ich komme hier nicht mehr zum Zug. Und genau dann muss man bereit sein. Beobachten, analysieren, zuschlagen – zum richtigen Zeitpunkt, mit dem richtigen Bauchgefühl.
Bis dahin gilt es, die Lücken intern aufzufangen. Und das gelingt nicht schlecht: Gegen Aarau standen am Ende neun Spieler unter 25 Jahren auf dem Platz. Viele davon haben ihre Sache ordentlich gemacht. Sie sind (noch) keine Stammkräfte, aber sie geben dem Trainer Optionen. Und das zählt.
Es sind also besondere Tage auf der Wiler Geschäftsstelle. Sportlich will man punkten, personell will man nachlegen. Beides braucht Geduld, Mut und Gespür. Und genau das macht die Faszination dieses Moments aus.