FC Wil 1900 – FC Winterthur 3:5 (2:2)
Samstag, 11.12.2021

Als in der 55. Minute Valon Fazliu den Ball aus kurzer Distanz neben das Tor setzte, ging ein Raunen durchs Publikum. Retrospektiv war es wohl eine entscheidende Spielsituation. Das 4:2 wäre der Todesstoss für die angezählten Winterthurer gewesen. Der missratene Wiler Abschluss weckte bei den Eulachstädtern neue Energien, die sie kaltblütig in Tore ummünzten. Entsprechend ging der Winterthurer-Sieg in Ordnung, auch wenn es einmal mehr eine sehr ansehnliche Wiler Leistung war.

Schiedsrichter David Huwiler und sein Gespann pfiffen bei leichtem Schneefall die Partie pünktlich um 18.00 Uhr an. Dieser Pfiff war dann auch einer der wenigen klaren Entscheide in der ganzen Partie. Die Unparteiischen machten hüben wie drüben während 90 Minuten eine unglückliche Figur. Schade, denn das Derby war an Spannung nicht zu überbieten und gar der Kameramann sprach nach dem Spiel von einer der packendsten Partien, die er in der Challenge League habe begleiten dürfen.

Die Wiler starteten schwungvoll in die Partie. Dennoch war es der Winterthurer Ltaief, der in der 14. Minute nach einer zuvor abseitsverdächtigen Position direkt und unhaltbar zum 0:1 abschloss. Nur drei Zeigerumdrehungen später schickte Talabidi mit einem langen Ball Lukembila auf die Reise. In überragender Manier aus halblinker Position schoss unser Toptorschütze das vielumjubelte 1:1. Nach 29 Minuten kam es erneut zu einer umstrittenen Situation im Wiler Strafraum. Zur Entlastung des Schiedsrichters muss erwähnt werden, dass auch nach mehrmaliger Konsultation der TV-Bilder nicht abschliessend geklärt werden kann, ob Dickenmann Buess wirklich regelwidrig zu Fall gebracht hatte und der Penalty gerechtfertigt war. Roman Buess selber schoss kaltblütig zum 2:1 ein. Die mitgereisten Gästefans, denen bzgl. Verhalten ein Kränzchen gewindet werden darf, sahen bereits das 10te Tor des Toptorschützen der Dieci Challenge League. Die Mannschaft unseres Trainerduos Iacopetta/Kukeli liess sich aber auch von diesem erneuten Rückstand nicht verunsichern. Und das ist wohl eine der grossen Qualitäten des Teams. Mit nimmermüdem Angriffsfussball versuchte man noch vor der Pause, den Ausgleich zu erzielen. Nach schönem Kombinationsfussball schickte Silvio Bahloul tief, der Franzose traf aus halbrechter Position zum 2:2 Pausenresultat.

Die Pausenworte unseres Trainerduos waren genau überlegt, denn die Wiler kamen zurück auf den Platz wie die Feuerwehr. Erneut war es Lukembila, der auf der linken Seite das Laufduell gegen Isik gewann. Nach dem Pass auf Fazliu scheiterte dieser an Spiegel, der den Ball direkt in die Füsse von Zumberi klärte. Aus spitzem Winkel schoss der Bazenheider zur erstmaligen der Wiler Führung ein. Bis zur 60. Minute passierte wenig Erwähnenswertes, die Wiler hatten die Partie mehrheitlich unter Kontrolle. Falsche Sicherheit. Nach einem Doppelschlag in Minute 60 und 69 durch Manzambi und Isik drehte das Pendel wieder zugunsten der Winterthurer. Das neu formierte Winterthurer Trainerduo Zuffi/Callà schienen die richtigen Worte an der Seitenlinie gefunden zu haben. In der 70. Minute gab es ein kurzes Rencontre zwischen Zumberi und Isik – Derbystimmung pur. Der Schiedsrichter sah darin mehr und verwarnte beide Spieler mit gelb. Nur fünf Minuten später beging Zumberi ein Allerwelts-Foul an Alves, das in der Premier League durchaus als Schwalbe taxiert worden wäre. Schiedsrichter Huwiler stellte den Bazenheider zum Unverständnis aller Beteiligten vom Platz. Zehn gelbe Karten am Ende eines packenden, aber friedlichen Derbys liess so manch einem die Feinfühligkeit des Gespanns vermissen. Sportlich gab es noch eine erwähnenswerte Szene: In der 81. Minute versenkte der Wiler Talabidi den Ball unglücklich ins eigene Tor zum 3:5 Endstand. Nun, die Wiler müssen sich selbst an der Nase nehmen. Zu viele individuelle Fehler in der Verteidigung, zu wenig Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, und zu wenig Routine führten zu dieser unnötigen Niederlage. Deckel drüber – das Derby war Klasse und der FC Wil 1900 darf sich mit erhobenem Haupt ins Wochenende verabschieden.

Der FC Wil 1900 wird am kommenden Samstag die grossartige Vorrunde beenden, auswärts gegen den FC Stade Lausanne Ouchy.

HOPP WIL.
chliinä Club, grossi Gschichtä

FC Wil 1900 – FC Winterthur 3:5 (2:2)
Sportpark Bergholz, Wil: 910 Zuschauer – Schiedsrichter: Huwiler

Tore: 14. Ltaief 0:1, 17. Lukembila 1:1, 29. Buess (Foulelfmeter) 1:2, 41. Bahloul 2:2, 47. Zumberi 3:2. 60. Manzambi 3:3, 69. Isik 3:4, 81. ET

Wil: Keller; Dickenmann (62. Frei), Izmirlioglu, Talabidi, Brahimi (72. Heule); Fazliu (82. Reichmuth), Muntwiler, Zumberi; Bahloul, Silvio, Lukembila.
Winterthur: Spiegel; Goncalves, Isik, Lekaj, Diaby; Corbaz, Arnold (13. Kriz); Manzambi (72. Ballet), Alves (86. Dakaj), Ltaief (72. Schättin); Buess (86. Volkart).

Bemerkungen: Wil ohne de Mol, Malinowski, Saho, Daniel, Ismaili, Krunic (alle verletzt), Abazi und Miranda (beide nicht im Aufgebot). Winterthur ohne Ramizi (gesperrt), Gelmi (krank), Cavar, Pepsi, Tolino, Costinha (alle verletzt), Pauli, Di Nucci und Lovisa (alle nicht im Aufgebot).
Verwarnungen: 34. Dickenmann, 37. Muntwiler, 44. Diaby, 56. Corbaz, 66. Lukembila, 69. Zumberi, 69. Isik, 93. Izmirlioglu. – Platzverweise: 74. Zumberi (Gelb-Rot).

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