FC Thun – FC Wil 1900 2:4 (1:3)
Samstag, 04.12.2021

Manch einer in der Thuner Stockhorn Arena rieb sich nach 30 Minuten verwundert die Augen. 0:3 leuchtete es auf der Anzeigetafel und die Spieler des FC Thun mussten erst mal ihre Frisuren wieder richten – der halbstündige Wiler Sturmlauf hatte den Oberländern in allen Belangen arg zugesetzt. Rückblickend war es der offensivste Auftritt der Wiler seit über acht Jahren, der die Grundlage für das Schlussresultat von 2:4 legte. In keiner Phase des Spiels gerieten die Mannen von Trainer Iacopetta wirklich in Bedrängnis. Etwas euphorisch könnte man von einer sackstarken Leistung sprechen.

2’000 Zuschauer waren in die Thuner Stockhorn Arena gereist. Die Zuversicht hätte bei den heimischen Fans gross sein können – gewann unser FC Wil 1900 bis dato keine Partie in diesem schmucken Stadion. Das Wiler Trainergespann Iacopetta/Kukeli musste in der Defensive leicht rotieren. Talabidi ersetzte in der Innenverteidigung den angeschlagenen Sauter – eine reine Vorsichtsmassnahme, wie es vom Medical Staff zu hören war. Den gesperrten Captain Muntwiler ersetzte auf der 6er Position erwartungsgemäss Robin Kamber. So viel vorab: Talabidi spielte eine starke Partie, zu keinem Zeitpunkt war seine mangelnde Spielpraxis zu sehen.

Egal was unser Staff dem Team in den Katakomben gesagt hatte, bitte mehr davon! Die Wiler starteten wie die Feuerwehr und der FC Thun wusste nicht, wie ihnen geschah. Nach drei Minuten setzte sich Dickenmann auf der rechten Seite durch, flankte zur Mitte und Josias Lukembila schob völlig unbedrängt zum 0:1 ein. Sechster Saisontreffer, bei vier Vorlagen – ein goldenes Händchen, das unser Sportchef Breitenmoser bei der Verpflichtung des abgeschobenen Rohdiamanten vom FC Lausanne-Sport bewiesen hatte. Nur drei Minuten später folgte ein Corner von links. Auf Zuspiel von Fazliu war es Robin Kamber, der völlig frei zum 0:2 einköpfte. In der Folge übernahmen die Thuner das Spieldiktat. Zwingende Abschlussversuche blieben aber selten – immer wieder musste Iacopetta korrigierend einwirken. Etwas zu passiv waren die Äbtestädter in dieser Phase des Spiels.

Ab der 20 Minute übernahmen die Wiler das Spieldiktat wieder – Izmirlioglu und Lukembila verpassten aus vielversprechenden Positionen. Nach 30 Minuten erkämpfte sich wiederum der auffällige Marcin Dickenmann den Ball auf rechts. Sein Pass zu Fazliu versenkte der Routinier (25-jährig!) in der Wiler Mannschaft zum 0:3. Anschliessend hätten die Wiler den Sack zu machen müssen. Bahloul und Lukembila setzen die Kugel kurz nacheinander neben das Gehäuse. Und so brachte das 1:3 des Ex-Wilers Havenaar kurz vor der Pause etwas Spannung zurück in die Stockhorn Arena.

Nach dem wärmenden Pausentee erschien Ndau für den angeschlagenen Kamber auf dem Platz. Sein Gastspiel dauerte allerdings nur eine gute Viertelstunde. Nach einem Zusammenprall mit dem ehemaligen schwedischen Internationalen Alexander Gerndt musste er die Partie mit Verdacht auf eine Hirnerschütterung wieder verlassen. Reichmuth ersetzte ihn. Auch in der zweiten Halbzeit waren die Wiler insgesamt die bessere Mannschaft. Sie gestalteten das Spiel und gerieten in keiner Phase wirklich in Bedrängnis. Wenn man dem Team etwas anlasten müsste, wäre es der zu fahrlässige Umgang mit den Chancen. Eine Viertelstunde vor Schluss machte Silvio den Sack zu. Wiederum über links flankte Fazliu zur Mitte und in gekonnt brasilianischer Manier versenkte unser Captain den 31. Wiler Saisontreffer. Damit stellt unsere Mannschaft wieder den besten Angriff der Liga. Den Schlusspunkt der Partie setzte der Thuner Kyeremateng mit dem 2:4 Anschlusstreffer. Was für ein Abend in der Stockhorn Arena!

Fazit: Offensiv packenden Fussball wolle er spielen, hatte Brunello Iacopetta bei seinem Amtsantritt verkündet. Und der Cheftrainer hält, was er verspricht: 23 Abschlüsse und 15 Eckbälle hiess die Schlussbilanz nach der Partie gegen Thun. Und damit hatte Iacopetta gar etwas Wiler Geschichte geschrieben. Noch nie in den letzten acht Jahren (soweit zurück reicht die Statistik) zündete der FC Wil 1900 ein derartiges Offensiv-Feuerwerk wie gegen Thun (nicht mal beim 7:0 Sieg gegen Aarau). Ähnlich angriffslustig spielte man am 12. März 2016 gegen den FC Xamax Neuenburg (22 Abschlüsse in der gesamten Partie).

Am kommenden Samstag geht es zu Hause gegen den FC Winterthur, der seit dem 23. Oktober auf einen Vollerfolg wartet. Der Rückstand auf den Barrageplatz beträgt nur noch zwei Punkte. Es wird ein Derby werden, das seit vielen Jahren nicht mehr so viel Brisanz hatte. Unterstützt alle unseren FC Wil 1900!

HOPP WIL!
chliinä Club, grossi Gschichtä

FC Thun – FC Wil 1900 2:4 (1:3)
Stockhorn Arena, Thun: 2048 Zuschauer – Schiedsrichter: Kanagasingam.

Tore: 3. Lukembila 0:1, 6. Kamber 0:2, 30. Fazliu 0:3, 42. Havenaar 1:3, 76. Silvio 1:4, 83. Kyeremateng 2:4.

Thun: Ziswiler; Dorn, Havenaar, Sutter, Schüpbach (71. Hasler); Karlen, Roth; Gerndt (57. Kyeremateng), Castroman (57. Dos Santos), Dzonlagic (57. Ahmed); Chihadeh.
Wil: Keller; Dickenmann, Izmirlioglu, Talabidi, Brahimi (77. Heule); Fazliu, Kamber (46. Ndau (62.Reichmuth)), Zumberi; Bahloul (77. Jones), Silvio (95. Saho), Lukembila.

Bemerkungen: Thun ohne Bürki (gesperrt), Rüdlin, Fatkic, Schweizer, Ndongo (alle verletzt) und Vasic (nicht im Aufgebot). Wil ohne Muntwiler (gesperrt), de Mol, Malinowski, Daniel, Ismaili, Sauter, Krunic (alle verletzt) und Abazi (nicht im Aufgebot).

Verwarnungen: 23. Kamber, 53. Sutter, 66. Bahloul.

Letzte Beiträge

Wil entfacht ein Fussballfest

Der FC Wil 1900 dreht gegen Neuenburg Xamax einen frühen 0:2-Rückstand und gewinnt am Ende hochverdient mit 5:2. Was lange ein [...]

Sieg in Lausanne. Und jetzt zuhause nachlegen.

Der FC Wil 1900 hat im entscheidenden Moment geliefert. Mit dem 2:0-Auswärtssieg bei Stade Lausanne Ouchy ist der Start ins l [...]