Der FC Wil 1900 hat ein weiteres Zeichen im Saisonendspurt gesetzt. Auswärts beim Aufstiegsaspiranten FC Aarau drehten die Äbtestädter am Freitagabend ein 0:2 in einen 4:2-Sieg. Damit ist Wil immer noch auf dem vierten Platz – und hält sich zwei Runden vor Schluss sogar noch die Türe zum Podest offen.
Von Anfang an war klar: Die Wiler hatten etwas vor auf dem Brügglifeld. Sie begannen mutig, suchten den Weg nach vorne und hatten in der Anfangsphase deutlich mehr vom Spiel. Doch wie schon so oft in dieser Saison war es der Gegner, der Effizienz zeigte. Aarau nutzte zwei defensive Fehler eiskalt aus: Erst traf Fazliu nach einem Ballverlust zur Führung (20.), dann erhöhte Gjorgjev nach einem missratenen Querpass gar auf 2:0 (37.). Zwei Chancen, zwei Tore – und Wil stand mit dem Rücken zur Wand.
Blitzwende innert 60 Sekunden
Doch was folgte, war sinnbildlich für die Entwicklung der Mannschaft in der Rückrunde – das Thun-Spiel mal ausgenommen: Innerhalb von einer Minute meldete sich Wil nicht nur zurück – sondern riss das Spiel an sich. Erst schlenzte Nico Maier nach einem Abazi-Zuspiel den Ball technisch fein in die lange Ecke (41.), dann sorgte Akinola erneut nach Vorlage von Abazi für den Ausgleich (42.). Plötzlich tobte nicht nur die Wiler Fanecke …
Zweite Hälfte: dominant und konsequent
Nach dem Seitenwechsel blieben die Wiler spielbestimmend. Und sie nutzten ihre Chancen. Neziri schloss sehenswert zum 3:2 ab (59.). Nur vier Minuten später sorgte Maier nach einem Abspielfehler von Aarau-Keeper Hübel mit einem feinen Lupfer ins verwaiste Tor für die Entscheidung (63.). Wil war in dieser Phase das klar bessere Team – zweikampfstark, zielstrebig und abgeklärt. Aarau fand keine Antwort mehr. Und als beim Heimteam zunehmend der Frust die Kontrolle übernahm, blieb Wil ruhig – und brachte die Führung souverän über die Zeit.
Starke Teamleistung
Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: 18:9 Schüsse, 9:4 Abschlüsse aufs Tor – Wil war über 90 Minuten die reifere, mutigere und spielerisch überzeugendere Mannschaft. Der FC Aarau hatte dem Wiler Druck im zweiten Umgang wenig entgegenzusetzen. Auffallend war neben der Offensivkraft vor allem das Kollektiv: Jeder kämpfte für jeden. Die Reaktion auf die beiden Gegentreffer war eindrücklich – nicht zum ersten Mal in dieser Saison.
Historische Möglichkeit
Mit dem Auswärtssieg zementiert Wil Rang vier – und darf bei zwei ausstehenden Runden sogar noch vom dritten Platz träumen. Der letzte Top-4-Abschluss datiert aus dem Jahr 2010. Dass dieser Coup 15 Jahre später gelingen könnte, ist das Resultat einer konstanten, stabilen Rückrunde – und wäre ein toller Einstand für das junge, neu formierte Wiler Trainerteam. Der Sieg gegen Aarau war zudem das siebte Spiel in Folge gegen die Rüebliländer ohne Niederlage. Man darf sagen: Aarau liegt dem FC Wil.
Ausblick
Am nächsten Freitag folgt das letzte Heimspiel der Saison gegen Stade Lausanne Ouchy. Klar ist: Die Mannschaft will den Saisonabschluss erfolgreich beenden – und spielt aktuell wie ein echtes Spitzenteam.